12.09.2020 / Kanton Luzern / CVP Luzern / Leserbrief

Der Wolf und die 7 Geisslein

Leserbrief von Alois Hodel, ehemals Bauernsekretär, Egolzwil

So heisst das Märchen, aus dem für Schafhalter und ihre Tiere leidvolle Realität geworden ist. Mit sieben Geisslein oder Schäfchen gibt sich ein ‚ordentlicher Wolf‘ aber nicht mehr zufrieden. Er stillt seinen Hunger und auch den Blutrausch. Aber das sei ‚eben Natur‘, argumentieren manche Gegner des neuen Jagdgesetzes, und die Bauern müssten halt damit leben.

Mich stört dabei die offensichtliche Verachtung der verantwortungsbewussten engagierten Tierhalter und ihrer Tierhaltungen als Erwerbsbasis. Manche Jagdgesetz-Gegner sind oft dieselben, welche wegen überfahrenen Kröten oder Igel (nichts gegen diese Verkehrsopfer!) Massnahmen an den Strassen fordern. Sie betrachten aber vom Wolf zerfetzte und qualvoll verbisssene Schafe als natürliche Kollateralschäden. Bis vor wenigen Jahrzehnten gab keine oder nur seltene Wölfe. Nun sind es in der Schweiz bereits mehrere Rudel. Ohne angemessene Regulierung werden diese sprunghaft zunehmen und parallel dazu für deren ‚Speiseplan‘ unweigerlich die Zahl gerissener und leidender Schafe.

Ein flächendeckender wirkungsvoller Herdenschutz ist in vielen Alpgebieten aus topografischen Gründen, zeitweise widrigem Wetter und mangels rüstigem Alppersonals leider nicht möglich. Das ohnehin streng-werchende Alppersonal verdient vermehrt ebenso das Verständnis der übrigen Bevölkerung und Tierschützern. Übrigens: angesichts der steigenden Wolfpopulation auch im österreichischen Berggebiet sind ebenfalls dort analoge Massnahmen für eine Beschränkung des Wolfbestandes politischen Fokus.

Also, entscheiden Sie als Stimmberechtigte primär sachlich begründet und nicht schöngeistig emotional: grundsätzlich Ja zu einem vertretbaren Wolfbestand und deshalb klar JA zum ausgewogenen neuen Jagdgesetz mit seinen weiteren Fortschritten für die Umwelt.