01.07.2020 / Emmen / Bildung / Schule, Schulhaus, Schulraumplanung, Schulhausplanung

Masterplan Schulinfrastruktur 2020-2030

Votum von Einwohnerrat Eddie Schubert zum Masterplan Schulinfrastruktur 2020-2030 an der Einwohnerratssitzung vom 30. Juni 2020.


Frau Präsidentin meine Damen und Herren

Bericht

Die CVP begrüsst den umfangreichen Bericht zur Masterplanung Schulinfrastruktur und das Schulbelegungskonzept für die Periode 2020-2030. Wir bedanken uns beim Gemeinderat für die Ausarbeitung und die informative Online Präsentation via Zoom-Meeting vom 27. April 2020.

Aufbau und Strukturierung des Berichts zeigen, dass sämtliche Aspekte und Einflüsse aus dem Bildungswesen, die bestehende Infrastruktur und ihre Mängel, sowie die örtlichen Gegebenheiten in die Studie eingeflossen sind. Der Bericht zeigt aber auch klar die Komplexität und hohen Anforderungen, um den vielseitigen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Grundlagen des Berichts sind detailliert beschrieben und fliessen in verschiedene Bewertungen ein. Ein Zusammenschnitt der Bewertung und das daraus folgende Fazit sind nachvollziehbar und durchaus realistisch. Mitunter kann auch das Fazit für die Variante «Neubau Gersag 4» vollumfänglich unterstützt werden.

Die Ausgangslage ist durchaus verzwickt, nebst dem akuten Bedarf an Schulinfrastruktur steht auch das Bildungswesen in stetem Wandel, womit eine Erweiterung von Schulraum mit Bildungs- Infrastruktur gekoppelt wird mit den Anforderungen an den Lehrplan 21 und dessen zukünftigen Ausbildungskonzepten. Altlasten aus bereits bestehenden Berichten, wie dem Rohrer-Bericht, müssen sorgsam geprüft eingearbeitet werden, stark abweichende oder gar widersprüchliche Interpretationen sind tunlichst zu vermeiden.

Kernaussaugen

Für die CVP hat der vorliegende Bericht zur Schulraumplanung 9 Kernaussagen:

1) Wachstum wegen Geburtenzahl:

Die CVP stellt fest, dass der Mehrbedarf an Schulraum zu zwei Drittel aufgrund der Geburtenzahlen und nur zu einem Drittel aufgrund baulicher Tätigkeiten resultiert.

2) Genügend Schulraum als Ziel:

Oberste Direktive ist, dass den Schülerinnen und Schülern der erforderliche Schulraum zur Verfügung steht. Grossen Einfluss auf die Entwicklung des Schulraumbedarfs wird auch in Zukunft die Prognose zu den Schülerzahlen haben. Es wird unvermeidbar sein diese Zahlen permanent in der Planung zu aktualisieren und daraus notwendige Korrekturen während der Umsetzungsphase vorzunehmen. Wir möchten keinen Schulraum auf Vorrat bauen, trotzdem ist jederzeit genügend Infrastruktur sicherzustellen. Es soll einfach und funktionell gebaut werden, damit temporär freistehender Schulraum individuell und flexibel genutzt werden kann.

3) Kritische Prüfung des Soll-Raumbedarfs:

Der Soll-Raumbedarf und die Empfehlung des Kantons sind laufend kritisch zu prüfen. Insbesondere auf wenig genutzte Räume, wie Aula oder Mehrzweckräume, ist wenn möglich zu verzichten. In besonderen Situationen soll für grössere Anlässe auf andere Schulhäuser ausgewichen werden. Die tägliche Nutzungsdauer der einzelnen Schulräume muss weiter erhöht werden.

4) Planung in 6-er Einheiten:

Bei den einzelnen Schulhäusern der Primarschule ist konsequent auf 6-er Einheiten zu setzen. Die Klassenzüge müssen von der 1. bis zur 6. Klasse mit der gleichen Anzahl geführt werden können. Dadurch können Schulhauswechsel während der Schullaufbahn minimiert werden. Idealerweise werden die Schulhäuser nur bis zu einer Grösse von 18 Klassen geplant.

5) Priorisierung zentraler Lagen:

Der Zubau von Schulinfrastruktur hat prioritär an zentraler und nicht an peripherer Lage zu erfolgen. Dadurch ergibt sich eine höhere Flexibilität bei der Schulkreiseinteilung. Deshalb befürwortet die CVP die Variante Neubau.

6) Funktional und modular:

Schulraum muss möglichst funktional, modular und preisgünstig gestaltet werden, so dass auf zukünftige Entwicklungen beim Schulraumbedarf reagiert werden kann. Eine nachträgliche Aufstockung bzw. ein nachträglicher Anbau müssen bereits eingeplant werden.

7) Kostensenkungen bei Sporthallen:

Die Kosten für die Sporthallen sind aus Sicht der CVP sehr hoch. Bei den Sporthallen ist auf möglichst einheitliche Hallen mit einfacher Funktionalität zu setzen, so dass sowohl die Planungs-, Bau- und Betriebskosten minimiert werden können. Tendenziell ist auf 3-fach-Turnhallen (allenfalls für mehrere Schulhäuser) zu setzen und nicht auf 1-fach-Turnhallen.

8) Kostensenkungen bei Sanierungen:

Die Kosten für die Sanierungen müssen optimiert werden. Das Wünschbare ist vom Notwendigen zu trennen. Auch der Ersatz Neubau anstelle von aufwendigen Sanierungen ist im Einzelfall zu prüfen.

9) Demokratieverlust bei Auslagerung:

Eine Auslagerung von Schulinfrastruktur in eine gemeinnützige AG oder eine öffentlich-rechtliche Anstalt ist sehr kritisch zu hinterfragen. Einerseits werden dadurch die demokratischen Rechte der Emmerinnen und Emmer massiv beschnitten. Bei grundlegenden Entscheiden können weder der Einwohnerrat noch die Stimmbevölkerung Einfluss nehmen. Andererseits besteht im Schulbereich keine Marktsituation, welche eine Auslagerung rechtfertigen könnte. Effizienzgewinne sind nicht zu erwarten. Vielmehr muss eine zusätzliche Organisation aufgebaut werden. Eine Auslagerung ist allenfalls für die Sporthallen denkbar, wobei die Vereine nicht zusätzlich belastet werden dürfen.
Wir von der CVP Emmen wollen genügend, funktionalen, modularen und preisgünstigen Schulraum.

Nutzung zur Förderung von Kindern und Jugendlichen

Neben dem obligaten Schul- und Bildungsauftrag, den die Gemeinde Emmen zu erbringen hat, sind auch die Bedürfnisse der Tagesstrukturen, der individuellen Förderung der Schuldienste und der Musikschule zu berücksichtigen. Als weitere massgebende Grösse sind die Aktivtäten ausserhalb der Schulzeiten zu nennen. Hierbei stehen in erster Linie die Emmer Vereine im Vordergrund.

Sie erbringen einen immens wichtigen Beitrag zur sozialen Entwicklung unseres Emmer Nachwuchses und sorgen im Bereich der individuellen Förderung der Kinder & Jugendlichen für zukunftsorientierte und stärkende Strukturen. Diese unentgeltliche Arbeit bedarf einer intakten Infrastruktur. Turn- und Sporthallen, Musikzimmer für Solisten, Räume für Ensembles sowie Säle für Chöre und Orchester! Die Schulinfrastruktur bildet die physische Basis für eine aktive und vielseitige Gesellschaft in der Gemeinde Emmen. Im Herzen der Quartiere gebaut, finden auf den Fussballplätzen Schwingfeste statt, die Turnhallen werden von den Erwachsenen bis spät abends genutzt für sportliche Aktivitäten und in den Aulas wurde auch schon so manche Quartiervereins-GV durchgeführt.

Finanzierung

Die Finanzierung in Summe basiert auf Schätzungen und ist hoch angesetzt. Die Erfahrung aus ähnlichen Projekten zeigt jedoch, dass zum Zeitpunkt der Ausführung jeweils zusätzliche, aktuelle Ansprüche mitberücksichtigt werden müssen. Wir empfehlen bei der Umsetzung zu prüfen, ob Projekte gemeinsam und parallel angegangen werden können, um für Planung und Beschaffung den Effekt der Mehrfachausführung und dadurch Einsparpotentiale genutzt werden können. Durch die parallele Ausführung lässt sich beim Bedarf der Turnhallen die Zeit zur Umsetzung gar verkürzen. Eine zeitweilige Unterbrechung der vielseitigen Emmer Aktivitäten aufgrund mangelnder Infrastruktur aus Sicht der CVP tunlichst zu vermeiden. Dies führt zu einer Leistungsminderung in der Bildung – die sogenannte «Bildungslücke!» und gefährdet mitunter auch die Existenz der Vereine!

Qualität Emmen

Der Masterplan ist die notwendige Ergänzung zum Vorhaben «Emmen soll Wachsen aber mit Qualität». So werden die Bedürfnisse der Schüler, wie auch des Lehrkörpers, abgedeckt. Emmen soll auch als attraktiver Arbeitgeber im Schulwesen ganz vorne auf der Wunschliste der Lehrer stehen. Eine attraktive Schulinfrastruktur bildet den Grundstein für ein lebenswertes und begeisterndes Emmen.

Empfehlung CVP

Die CVP Emmen hat in der Kommission R & GPK die obengenannten Kernaussagen 3, 6, 7, 8 als Anträge gestellt. Diese vier Anträge wurden unverändert angenommen.

Der Bericht zur Masterplanung Schulinfrastruktur 2020-2030 wird von der CVP grossmehrheitlich zustimmend zur Kenntnis genommen und wir empfehlen dem Gemeinderat die Umsetzung der weiteren Schritte a priori voranzutreiben.

Im Namen der CVP-/JCVP-Fraktion

Eddie Schubert