04.10.2018 / Kanton Luzern / Landwirtschaft

Jetzt wird es brutal schwierig für innere Aufstockung

Die Frage, „Steht die Tierhaltung im Kanton Luzern am Scheideweg?“, hat die Bauern sichtlich bewegt.

„Wir wollen uns über die aktuelle Situation informieren und mögliche Lösungsansätze sowie politische Stossrichtungen diskutieren“, erklärt Kantonsrat Hanspeter Bucheli als Präsident der CVP Landwirtschaftskommission vor rund 100 Bauern am vergangenen Mittwochabend.

Nicht nur die Luzerner Bauern

„Immer nur die Luzerner, sie halten am meisten Schweine und ganz allgemein zu viele Tiere“, So töne es oft, meinte Stefan Heller, Geschäftsführer Luzerner Bauernverband, im Einführungsreferat. Dabei gebe es auch andere Gebiete mit intensiver Tierhaltung, Ostschweiz/Freiburgerland mit ähnlichen Problemen. Es seien also nicht bloss die Luzerner Bauern, die nun mal mit Futterbau wirtschaften, viel Rindvieh halten und sich oft mit innerer Aufstockung ein zweites Standbein geschaffen haben. Sie verfügten über das notwendige Know How auch bei Schweinen oder Geflügel und erwirtschaften rund 80 Prozent des Einkommens aus der Tierhaltung. Zahlreiche vor- und nachgelagerte Betriebe und selbst der Detailhandel würden davon profitieren.  

Gute Lösungsansätze einerseits, neue Probleme anderseits

„ Bei der Beurteilung von Stallbaugesuchen sollte in allen Kantonen mit gleichen Ellen gemessen werden“, fordert Stefan Heller. Die Luzerner Bauern hätten sich stets bemüht, die anstehenden Probleme beim Phosphor, Ammoniak oder in der tierfreundlichen Haltung zu lösen. Phosphor und Stickstoff würden heute in Fütterung und Düngung effizienter genutzt.

„Doch der immer noch zu hohe Eintrag von Ammoniak via Luft in Wälder und naturnahe Gebiete wird uns in Zukunft weiter beschäftigen“, gibt Franz Stadelmann vom lawa zu bedenken, auch bezüglich Methan und Lachgase aus der Tierhaltung. „Diese Problematik müssen wir sehr ernst nehmen und sie gemeinsam mit der Landwirtschaft angehen“, legt Marc Germann vom WWF Zentralschweiz am Podium den anwesenden Bauern nahe.

Neue Probleme

Rechtsanwalt Pius Koller, mit bäuerlichen Wurzeln, beurteilte den Entscheid des Bundesgerichtes, nur noch den Deckungsbeitrag zur Beurteilung von innerer Aufstockung, als rechtskonform. So müssen nach der Aufstockung mindesten 51 Prozent vom Deckungsbeitrag des Betriebes aus bodenabhängiger Produktion generiert werden.

Kobi Lütolf, Präsident LBV sieht die Lösung in einer entsprechenden Gesetzesänderung zugunsten einer spezialisierteren Landwirtschaft. „Das politische Umfeld für eine Änderung im Gesetz ist momentan sehr ungünstig“, meinte Nationalrat Leo Müller. Er bezeichnet das Urteil des Bundesgerichtes als brutal für die Luzerner Landwirtschaft, sie werde Perspektiven zur Weiterentwicklung beraubt. Positiv sei, dass der Besitzstand gewahrt bleibe, was legal bewilligt wurde, könne weiter betrieben werden. Müller sieht die Möglichkeit der Einflussnahme auf eine vernüftige Umsetzung es Gerichtsentscheides statt einer Gesetzesänderung auf der Ebene der Verordnung.
(Text und Bilder: Josef Kottmann)

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Das Podium mit Franz Stadelmann vom lawa, NR Leo Müller, Leiter Podium Stefan Heller, Marc Germann WWF und Rechtsanwalt Pius Koller.

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Es gab auch heitere Momente am ernsthaften Podium.