05.07.2018 / Luzern / Wirtschaft und regionale Entwicklung / Positionspapier Tourismus

Für ein moderates Wachstum

Die CVP steht zum Tourismus in der Stadt Luzern. Sie will allerdings ein moderates Wachstum, das auf die Bedürfnisse der Bevölkerung Rücksicht nimmt. Die Partei setzt auf einen Qualitätstourismus mit hoher Wertschöpfung. Dies steht in einem Positionspapier, das die CVP erarbeitet hat.

Luzern ist die erfolgreichste Sommerdestination im Alpenraum. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Im Jahr 2017 wurden 8.8 Millionen Tagesgäste gezählt. Geld bringen auch die Übernachtungsgäste. Stammen sie aus der Schweiz, geben sie 160 Franken pro Tag aus. Bei den Chinesen sind es 450 Franken, bei den Gästen aus der Golfstaaten 430 Franken und bei den Amerikanern, die zahlenmässig den grössten Anteil ausmachen, 220 Franken. Allein am Schwanenplatz haben die dort angesiedelten Unternehmen 2017 eine Wertschöpfung von 224 Millionen erarbeitet. Die Zahl der Logiernächte in der Stadt ist innerhalb der letzten zehn Jahre auf 1,3 Millionen angewachsen. Über 1000 Arbeitsplätze in der Stadt Luzern hängen vom Gruppentourismus am Schwanenplatz ab.

Carparkplatzfrage ungelöst

Diese Erfolgsgeschichte, die auf die ausgezeichnete Arbeit der Luzern Tourismus AG zurückzuführen ist, provoziert auch kritische Stimmen aus der Bevölkerung, die ihre negativen Seiten beklagen. So hat sich der Branchenmix am Grendel und in der übrigen Altstadt spürbar verändert. Uhren- und Schmuckgeschäfte dominieren das Bild. Der Schwanenplatz ist während der Saison in der Hand der Touristen. Nicht überall gerne gesehen wird der Gruppentourismus. Ungelöst ist die Frage der Carparkplätze. Noch fehlt ein breit akzeptiertes Konzept. Wenn die Carparkplätze beim Inseli verschwinden, braucht es dafür Ersatz.

Profit für möglichst viele Bewohner

Die CVP möchte die Diskussion über den Tourismus jedoch nicht auf die Zahl und den Ort des Carparkings beschränken. Sie will zuerst den Stellenwert und die Perspektiven dieses Wirtschaftszweigs festlegen und erst dann die Infrastrukturen abschliessend klären. Der hohe wirtschaftliche Nutzen des Tourismus soll erhalten werden. Dabei spricht sich die Partei für ein Wachstum aus, das von der Bevölkerung akzeptiert wird und verlangt, dass auf kritische Stimmen proaktiv eingegangen wird. Möglichst grosse Teile der Bevölkerung sollen vom Tourismus profitieren können. Studien zum Thema „Overtourism“ sollen ausgewertet und konkrete Massnahmen daraus abgeleitet werden. Fallbeispiele können Barcelona, Mallorca, Dubrovnik und Amsterdam darstellen.

Für Qualitätstourismus

Das Verständnis für den Tourismus muss gezielt gefördert werden. In Zusammenarbeit mit der Stelle für Integration soll das Wissen über die Kultur und das Brauchtum der wichtigsten Gastnationen gefördert werden. Grossen Wert will die CVP auf die Gastfreundschaft und die Servicequalität legen. Die Partei setzt auf einen Qualitätstourismus mit hoher Wertschöpfung, damit die Gäste länger in der Region verweilen und sie mehrmals besuchen. Mit den vorhandenen Ressourcen soll sorgfältig umgegangen werden. Insbesondere will die CVP verhindern, dass es zu Konflikten zwischen Einheimischen und Gästen wegen des Wohnraums kommt, wie dies bei Airbnb-Wohnungen der Fall sein könnte. Allerdings sollen für Hotelkapazitäten, Carparkplätzen und Airbnb-Wohnungen keine Kontingente festgelegt werden; das Wachstum wird jedoch im Auge behalten.

Ausgeglichene Jahresauslastung

Die Partei spricht sich für eine Durchmischung der Herkunftsländer mit einem ausgewogenen Verhältnis bei der Gästestruktur aus. Die Promotion von Luzern Tourismus soll dementsprechend erfolgen. Bewusst wird auf neue touristische Formen wie der "new urban tourism" eingegangen. Nicht weiter gefördert wird der Gruppentourismus mit Kurzaufenthalten. Dafür versteht sich die Region als Erlebnisdestination, wie sie teilweise schon angepriesen wird. Die Kulturangebote werden in die Vermarktung einbezogen. Die Nebensaison soll besser ausgelastet werden, um eine ausgeglichene Jahresauslastung zu erreichen. Möglich wäre das beispielsweise mit einem "dynamic pricing", Preise, die sich an der Nachfrage orientieren. Das Angebot in der Nebensaison soll gestärkt werden.  

Grossen Wert sollen die touristischen Entscheidungsträger auf den Einbezug der Bevölkerung legen, insbesondere der betroffenen Quartiervereine. Damit die Stadt nicht von einem grossen Wachstum überrascht wird, die es nicht mehr bewältigen kann, möchte die CVP, dass jährlich aktualisierte Prognosen über die erwarteten Gästezahlen vorgelegt werden, damit allfällige Massnahmen frühzeitig diskutiert werden können.

Zugang zur Innenstadt

Was das Carparkierungskonzept betrifft, setzt die CVP auf einen direkten Zugang zur Innenstadt. Das Parkhaus Musegg, allenfalls nur für Cars, bleibt die beste Variante. Die CVP ist offen dafür, dass mögliche Anhaltestellen und Parkplätze auf der Allmend geprüft werden. Nichts abgewinnen kann die Partei dagegen dem Metro-Projekt. Es ist aus finanziellen und räumlichen Gründen nicht machbar. Zentral ist der Einbezug der Direktbetroffenen und der umliegenden Gemeinden. "Ohne sie geht nichts", meint die Partei.