08.09.2017 / Hildisrieden / Bildung / Fremdsprachen

Bericht zur Podiumsdiskussion

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Am Donnerstag, 7. September hielten die drei Ortsparteien FDP, SVP und CVP gemeinsam eine informative Auseinandersetzung zum brisanten Abstimmungsthema vom 24.September vor und mit Publikum. Martin Wolf, Präsident der Hildisrieder Bildungskommission moderierte die Veranstaltung im Saal des Roten Löwen.

eba. Die Referate hielten Bernhard Steiner, SVP Kantonsrat. (Pro) und Priska Wismer, CVP Kantonsrätin (Kontra). Als Podiumsteilnehmende konnten gewonnen werden: Marco Stössel, Rektor Kantonsschule Beromünster; Sepp Wyss Präsident AWG (Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft) und CVP Kantonsrat; Luzern; Adrian Heer, Lehrlingsbeauftragter RUAG; Laurence Kauffmann, Lehrperson Rain; Walter Zemp, Lehrperson Eschenbach.

Lehrplan 21 und WOST 17

Bis 1994 wurden im Kanton Luzern in der Primarschule keine Fremdsprachen unterrichtet. Dann folgten Pilotprojekte für Frühfranzösisch und später für Frühenglisch. Gestützt auf das HarmoS-Konkordat (Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule) und dem Lehrplan 21, ist ab Schuljahr 2017/18 die WOST (Wochenstundentafel)17 in Kraft. Sie beinhaltet 3 Wochenlektionen Englisch je in der 3.und 4. und 2 Lektionen je in der 5. und 6. Primarklasse, sowie 3 Lektionen Französisch je in der 5. und 6. Primarklasse. Am 17. September 2014 reichte ein breit abgestütztes Initiativkomitee eine Initiative für nur eine Fremdsprache in der Primarschule ein.

Pro

Bernhard Steiner, Kinderarzt, Vater von vier Kindern legte seinem Referat entwicklungspsychologische Facts zugrunde: Erst ungefähr im 11. Lebensjahr ist der analytische Spracherwerb effizient. „Lehrpersonen in der Sekundarstufe1 äussern sich frustriert: Ich muss immer wieder von vorne beginnen, da die Ziele, vor allem des Französischunterrichts grossmehrheitlich nicht erreicht werden“, äusserte sich Steiner. Späterer Beginn des Sprachunterrichts sei kein Nachteil. Adrian Heer ist der Überzeugung dass aufgrund Lektionenreduktion vor allem im Fach Deutsch, viele seiner Lehrlinge Mühe haben, einen Rapport lesbar zu verfassen. Heer ist überzeugt, dass die Situation am Arbeitsplatz nach Annahme der Initiative deutlich besser wird.

Kontra

Priska Wismer, Mutter von fünf Töchtern, aus Rickenbach, erklärte in ihrem Hauptvotum, dass es eine grosse Fehlhandlung wäre, dem soeben interkantonal eingeführten Lehrplan 21 und der WOST 2017 entgegenzuwirken und eine Spracheninsel innerhalb der deutschsprechenden Kantone zu werden. Im weiteren entstünden massive Kosten: Erstellung des entsprechenden stufengerechten Lehrmittels, Zusätzliche Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen. Es wäre sehr gewagt dieses Manöver durchzuführen. Denn laut Umfragen über den Effort der Fünft- und Sechstklässler im Fach Französisch sind vier von fünf Lernenden nicht überfordert. Ein Nachteil der Initiative sei, dass die Initianten nicht Stellung nehmen welche Sprache in der Primarschule unterrichtet werden sollte.

Engagiertes, fundiertes Podium, interessiertes Publikum

Dass die Lehrlinge am Limit laufen, wie Adrian Heer sich ausdrückte, sieht Sepp Wyss nicht so dramatisch. Er plädiert für eine ausgewogene Ausbildung und man möge die sprachlichen Kompetenzen nicht gegen die analytischen ausspielen.

Die Lehrpersonen Laurence Kauffmann, Rain, und Walter Zemp Eschenbach, sehen sich als Vertreter der Schülerinnen und Schüler. Sie sind enttäuscht, dass seit 15 Jahren die sprachlichen Lernziele, über dich ganze Schülerschaft gesehen, nicht erfüllt sind; „und dass die Schüler von Lehrmeistern als schlecht eingestuft werden, das tut weh!“ war eine Äusserung von Laurence Kauffmann. Martin Stössel, Lehrer an der Kanti Beromünster, ist glücklich und zufrieden. Er darf es natürlich sein, da seine Schüler ohnehin keine grossen Lernstörungen haben. Er meint aber, was in der Primarschule gemacht wird mit individueller Förderung und Stützunterricht, sei auf gutem Weg; und wenn das so weitergeht, habe er keine Angst, wenn auch weiterhin zwei Sprachen auf der Primarstufe unterrichtet werden.

Am Schluss dankte Martin Wolf den Referenten, den Podiumsteilnehmenden und dem Publikum für`s da Sein und lud alle ein, am 24. September ihre persönlich gefasste Meinung kundzutun.