31.08.2017 / Kanton Luzern / Bildung / Leserbrief

„Wie gut waren sie in Mathematik?“

Leserbrief

Da gibt es unter uns eine Gruppe von Leuten, die Mathematik in der Schulzeit über alles liebten. Da gibt es jene, die kamen so einigermassen mit. Und dann gibt es noch einige unter uns, die mit Mathematik auf Kriegsfuss standen. Doch käme es jemandem in den Sinn eine Volksinitiative zu starten, um Mathematik von der Primar- in die Sekundarschule zu verschieben, weil dieses Fach einem Teil der Schülerinnen und Schüler schwer fällt?!

Genau dies aber tut die Fremdsprachen-Initiative in der Sprachenfrage: Weil manchen Schülerinnen und Schülern das Fremdsprachenlernen schwer fällt, sollen wir die zweite Fremdsprache von der Unter- in die Oberstufe verschieben. Mit welcher Wirkung? Haben die Jugendlichen in der Pubertät mehr Lust auf das Erlernen einer Sprache? Fällt es Jugendlichen leichter eine neue Sprache zu lernen? Oder lässt es die Stundenplanung in der Sek einfacher zu eine Sprache unterzubringen? Wohl kaum.
 

Ich will eine zukunftsorientierte Bildung und bin dagegen, dass man Kindern das frühzeitige Erlernen von Fremdsprachen verbietet! Es gibt wichtige Gründe, weshalb die Initiative abzulehnen ist:

Grund 1: Der Volkswille zur Harmonisierung der Bildung soll endlich umgesetzt werden!

  • 2006 hat das Schweizer Volk mit einem JA-Stimmenanteil von 86% beschlossen, dass die Volksschule so «harmonisiert» werden soll, dass man als Familie in einen anderen Kanton umziehen kann ohne die Schulkarriere der Kinder aufgrund der unterschiedlichen Schulsysteme zu ruinieren. Dazu gehört die Verpflichtung, an den Primarschulen in der ganzen Deutschschweiz zwei Fremdsprachen anzubieten.

Grund 2: Die Initiative schwächt die Qualität der Volksschule!

  • In der mehrsprachigen Schweiz und in der globalisierten Wissensgesellschaft gehören Englisch und Französisch zur Grundbildung.
  • Mehrsprachigkeit ist ein «Wettbewerbsvorteil» für unsere Kinder
  • Der Sprachen-Rückschritt würde zu Kosten in Millionenhöhe für neue Lehrmittel führen – ganz zu schweigen von den Primarschul-Lehrpersonen mit Fremdsprachen-Lehrbefähigungen, die es dann nicht mehr braucht…

Grund 3: Die Initiative führt zum Französisch-Diktat des Bundes

  • Ein Abrücken von der Sprachenstrategie des HarmoS-Konkordats lässt den Bund aktiv werden: Bereits hat der Bundesrat im Juli 2016 eine Vernehmlassung zur Anpassung des Sprachengesetzes gestartet, in der er die zweite Landessprache in der Primarschule verankern will. Sollte der Kanton Luzern nur noch eine Fremdsprache an der Primarschule wollen, wird dies demnach Französisch sein, Englisch wird gestrichen!


Es ist nicht einzusehen, weshalb wir unseren Kindern ein frühzeitiges Erlernen von Mehrsprachigkeit vorenthalten sollen, das ihnen eine entscheidende Grundlage dafür gibt, die Herausforderungen der Zukunft in einer vernetzten Welt zu meistern. Notabene haben 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit dem Sprachenlernen in der Primarstufe keine Mühe oder sind gar begeistert davon.

Es geht um die Zukunft: Lassen wir unseren Kindern die Chance frühzeitig Kompetenzen zu lernen, von denen sie in einer noch vernetzteren Welt profitieren. Lehnen wir diese rückwärtsgewandte Initiative ab!