28.08.2017 / Kanton Luzern / Bildung / Leserbrief

Leserbrief

(Bezugnehmend auf die Artikel vom 22.8 und 23.8 zur„ Fremdspracheninitiative“)

Erfreut nahmen wir die Botschaft der Luzerner Regierung zur Fremdspracheninitiative zur Kenntnis. Es ist ein deutliches Zeichen für die Stärkung des nationalen Zusammenhalts. Die Initiative lässt nämlich offen, welche Fremdsprache auf der Primarschulstufe verankert werden soll.

Die Initianten argumentieren, dass es für viele Kinder unzumutbar ist, zwei Fremdsprachen auf der Primarschule zu lernen, da sie schon mit der Muttersprache Deutsch teilweise überfordert seien. Dass es auch Schülerinnen und Schüler gibt, die in beiden Fremdsprachen dem Unterricht problemlos folgen können, wird unterschätzt. Es gibt ebenso Studienergebnisse die belegen, dass der Spracherwerb bei Kindern, unabhängig vom Geschlecht, viel schneller vorangeht als im Jugend- und Erwachsenenalter.

Mit der Einführung des Lehrplans 21 sind bereits vorhandene Schwierigkeiten mit dem Fremdsprachenunterricht erkannt. Bei Annahme der Initiative würde eine Fremdsprache auf die Oberstufe verbannt. Demzufolge müssten mehr Stunden auf der Sekundarstufe zugesprochen werden, was klar der ganzheitlichen Förderung widerspricht und zu Lasten der MINT-Förderung geht.

Man kann argumentieren und sagen, dass die Fremdsprachenevaluation der BKS zeigt, dass das Erreichen der Lernziele nicht genügend ist. Falsch ist jedoch die Schlussfolgerung, das Nichterreichen der Ziele mit Überforderung gleichzusetzen. Auch im Deutsch oder den MINT-Fächern werden die Lernziele nicht optimal erreicht. Die Lösung dort ist aber eine Änderung auf der Unterrichtsebene.

Als Fachpersonen der Schule respektive der Bildungsforschung sehen wir es als wichtig an, dass Schülerinnen und Schüler weiterhin in der Primarstufe mit beiden Fremdsprachen in Kontakt kommen. Unser Kanton ist keine „Insel“ und wir wollen auch keine „Sprachinsel“ werden und legen deshalb am 24.9 ein überzeugtes NEIN in die Urne – Sie hoffentlich auch!

Esther Hagmann, Sekundarlehrperson und Karin Stadelmann, Erziehungswissenschaftlerin. Beide Mitglieder der J/CVP